„Mit Aussicht auf Erfolg wachsen“

Zugpferd der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor der Maschinenbau. Allerdings steht dieser Industriezweig vor gewaltigen Herausforderungen, um die Konjunkturabhängigkeit und den Fachkräftemangel zu bewältigen. Ein Gespräch mit Michael Bosse über vorausschauendes Handeln, Innovationsstärke und Herausforderungen für die Zukunft.

Herr Bosse, der Maschinenbau erweist sich derzeit wieder einmal als Lokomotive der deutschen Wirtschaft. Hat auch das BABCOCK Fertigungszentrum die Wirtschaftskrise …

Um es direkt klar zu sagen: Wir als BABCOCK Fertigungszentrum hatten keine Krise!

Sie haben also Ihre Umsatzziele für das abgelaufene Geschäftsjahr erreicht?

Ja, wir haben unsere Umsatzziele erreicht. Aber in unserer Branche geht der Blick natürlich immer längerfristig in die Zukunft. Hier verfolgen wir das Ziel, mit Aussicht auf Erfolg zu wachsen. Wir müssen dabei aber auch die weltwirtschaftlichen Entwicklungen beobachten, die sich immer direkt auf unser Geschäft auswirken. Da lassen sich viele Veränderungen vorhersehen, die wir stets mit einplanen.

Ist es ein Fluch oder ein Segen, immer so weit im Voraus sehen und erkennen zu müssen, was da auf das Unternehmen zukommt?

Ich bin von Haus aus positiv eingestellt und schaue daher gern nach vorn. Und wenn wir vorausschauen, haben wir immer genug Zeit, um frühzeitig zu reagieren und zu planen. Es ist in der Investitionsgüterindustrie so, dass das Schicksal eines Unternehmens nicht von einem guten oder schlechten Jahr abhängig ist. Die Zyklen wiederholen sich. Gleichwohl muss sich ein Unternehmer sicher sein, dass eine Aufschwungsphase nachhaltig ist, bevor er sich dazu entscheidet zu investieren und eine Maschine anzuschaffen. Bei uns werden solche Investitionen sehr genau geplant.

Haben Sie die letzten Jahre genutzt, um Innovationen voranzutreiben?

Wenn wir von Innovationen sprechen, dann betrifft das oft bauliche Veränderungen an unseren Großmaschinen. Wir prüfen jedoch kontinuierlich, ob und wie wir unser Maschinenspektrum erweitern können. Das ist spätestens dann der Fall, wenn ein Kunde etwas ganz Neues wünscht.

Das BABCOCK Fertigungszentrum hat neben der Investition in ein neues Bohrwerk in der letzten Zeit auch über die Anschaffung weiterer Maschinen für Spezialprojekte nachgedacht. Um das zu stemmen, bedarf es auf jeden Fall eines nachhaltigen Aufschwungs.

Deshalb werden wir da auch nichts übers Knie brechen. Die Pläne für weitere Investitionen in Maschinen sind bereits vorhanden. Wir werden diese aber erst forcieren, wenn wir uns sicher sind, dass der Aufschwung nachhaltig ist.

Kernkompetenz des BABCOCK Fertigungszentrums sind die Fertigung komplexer Komponenten im Maschinen- und Anlagenbau, die Baugruppen- und Einzelteilfertigung sowie deren Montage. Was genau verbirgt sich dahinter?

Dahinter steckt unser Anspruch, nicht einfach Massenteile zu fertigen, sondern ganz spezielle Kundenwünsche ab Stückzahl eins zu realisieren. Der Größe sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Wir haben uns nach und nach in diese Richtung entwickelt und das entsprechend notwendige Ingenieurskönnen aufgebaut. Heute haben wir ein Team mit 160 hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die genau das leisten können.

Sie arbeiten also immer wieder an neuen Projekten. Wie gehen Sie in konjunkturellen Hochphasen mit enger werdenden Terminierungen um?

Die Terminierung von Projekten gehört zu unserem täglich Brot. Sobald die Konjunktur anzieht, wollen die Kunden natürlich möglichst rasch die bestellte Maschine in Betrieb nehmen, das ist ja auch völlig verständlich. Dadurch werden allerdings die Termine sehr eng. Für uns heißt das: Mehrarbeit. Aufgrund des hohen Individualisierungsgrades der bei uns gefertigten Werkstücke können wir kaum vorproduzieren. Das wirkt sich direkt auf die Materialbeschaffung aus. Die in Boomzeiten zu organisieren, ist schon ein kleines Kunststück, weil dann natürlich alle ordern.

Aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden?

Überwiegend aus dem Energiesektor, aber auch aus vielen anderen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus, die den mittleren und schweren Bauteilen aus unserer Fertigung ihr Vertrauen schenken. Entsprechend sind wir als BABCOCK Fertigungszentrum immer auch konjunkturabhängig – so wie der Maschinenbau insgesamt.

Was unternehmen Sie, um mit Blick auf die Auftragslage beruhigt in die Zukunft zu sehen?

Wir versuchen – wie andere Maschinenbauer auch –, uns möglichst breit aufzustellen, um ein möglichst breites Kundenspektrum anzusprechen. Gleichzeitig pflegen wir eine exzellente Zusammenarbeit mit unseren Großkunden, die von großem gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Das zusammen ist der beste Schutz vor den Auswirkungen starker Marktschwankungen. Um weniger konjunkturabhängig zu sein, versuchen wir außerdem, solche Klienten zu gewinnen, die antizyklisch investieren oder nicht sehr stark von der Konjunktur abhängen.

Ihre Auftragsbücher sind im Moment gut gefüllt?

Ja, die Auftragsbücher sind gefüllt. Aber so ist das im Maschinenbau. Es geht rauf und runter. Wir nehmen jede dieser Wellen mit. Um das Auf und Ab zu bewältigen, brauchen wir die Flexibilität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Hilfe unserer Leiharbeiter.

Sie setzen kontinuierlich Leiharbeiter ein?

Nein. Nur wenn Spitzen abzufangen sind, setzen wir Leiharbeiter von regionalen Zeitarbeitsfirmen ein. Aber ihr Anteil macht nicht einmal zehn Prozent im Verhältnis zur Stammbelegschaft aus.

Richten wir den Blick nach vorn: Welches sind die Marktanforderungen der Zukunft für Ihr Unternehmen?

Für uns stehen nach wie vor die Qualität und der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund. Aber wir spüren zunehmend verschärfte Anforderungen an die Lieferzeiten. Wer schneller liefert, bekommt die Aufträge. Damit steigen vor allem die Anforderungen an die interne Organisation. Das ist bei uns deshalb schon seit Längerem eines der wichtigsten Themen.

Auch Ihre Kunden haben vor dem Hintergrund neuer Technologien und neuer Werkstoffe neue Anforderungen zu bestehen. Spüren Sie diese Veränderungen?

Selbstverständlich. Diese Anforderungen werden bei uns direkt zu Auftragsbestandteilen. Wir haben da einen Bereich, der sehr innovationsstark ist und der unsere Fachabteilungen vor immer neue Herausforderungen stellt. Das ist jedoch keine Entwicklung der letzten Jahre. Neue Herausforderungen zu meistern, gehört seit jeher zur Tradition unseres Fertigungszentrums. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nicht zuletzt genau dafür geschult: Lösungen zu finden. Bei allem wirtschaftlichem Wandel, der technologische Fortschritt ist und bleibt stetig.

Wie wichtig sind Innovationen für eine Firma wie das BABCOCK Fertigungszentrum?

Sie sind existenziell. Immer mindestens einen Schritt voraus zu sein, ist ja auch wichtig, weil das unsere wirtschaftliche Position absichert und damit dazu beiträgt, unseren gesellschaftlichen Wohlstand zu erhalten. Wer in einem Hochlohnland wie Deutschland nur Masse produziert, ohne etwas Besonderes zu können, legt sich mit Wettbewerbern aus dem Ausland an. Und dann wird es schwer, zu bestehen.

Haben Sie Sorge vor der Konkurrenz aus dem asiatischen Raum, die immer mehr aufschließt zu deutschen Maschinenbauern?

Das muss man genau beobachten und es ist angebracht, sich dazu Gedanken machen. Ich muss zugeben, dass ich in letzter Zeit einige Fälle gesehen habe, bei denen eine passable Arbeit geliefert wurde. Aber noch besteht ein spürbarer Vorsprung. Gerade im Maschinenbau ist die Marke „Made in Germany” international sehr viel wert. Es gibt Teile für unsere Maschinen und Anlagen, die asiatische Unternehmen bauen können. So etwas haben wir auf Kundenwunsch auch schon organisiert. Aber dafür, dass das Material am Ende mit einer dokumentierten Abnahme und dem bei uns verwurzelten extrem hohen Qualitätsanspruch unser Haus verlässt, sorgen immer noch wir. Nicht zuletzt ist der Innovationsgrad bei uns immer noch höher. Da sind wir auch noch klar im Vorteil.

Ist das BABCOCK Fertigungszentrum ausschließlich im Neubau tätig oder auch im Bereich der Modernisierung, in der Wartung und im Umbau?

Unser Schwerpunkt liegt klar im Neubau. Serviceleistungen haben an unserem Umsatz einen Anteil von rund 30 Prozent. Tatsächlich möchten aber immer mehr Kunden ihre alten Maschinen nicht gegen neue austauschen, sondern diese modernisieren. Wir übernehmen dann die Generalüberholung und bauen zum Teil große Bereiche der Maschinen in Zusammenarbeit mit dem Kunden um. Oft genug erhöht sich dadurch die Leistungsfähigkeit der Maschine. Dieses Konzept verstehen wir aber nicht als Konkurrenz für das Neumaschinengeschäft, sondern als willkommene Ergänzung.

Welche Rolle spielt das Thema Ressourceneffizienz im Maschinenbau für Sie und für Ihre Kunden?

Unsere Kunden verwenden schon aus Kostengründen nicht mehr Material als nötig, um leistungsstarke Maschinen zu produzieren. Klar ist, dass die ökologischen Anforderungen unserer Kunden an Maschinen und uns steigen. Das ist für uns sicher eine weitere große Herausforderung, die wir mit Blick auf die Nachhaltigkeit und den Umweltschutz aber gern annehmen. Das ist für uns so selbstverständlich wie die Umsetzung der ISO-Normen „Qualität und Arbeitssicherheit”.

Welche Strategien verfolgt das BABCOCK Fertigungszentrum, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Zunächst setzen wir traditionell in vielen Bereichen stark auf Ausbildung. Dazu zählen die Berufe des Industrie-, Konstruktions- und Zerspanungsmechanikers. Außerdem bieten wir kontinuierlich Praktikumsstellen für „Bachelor of Engineering-Maschinenbau” an. Das ist die sicherste Methode, sein Personal zu rekrutieren. Wir merken schnell, ob es passt oder nicht. Derzeit haben wir sechs Auszubildende, die sich sehr gut machen. Wir haben allerdings eine Situation erreicht, in der unsere eigenen Ausbildungsaktivitäten nicht mehr ausreichen. Wir haben längst einen Fachkräftemangel. Und es ist sehr schwer, auf dem freien Arbeitsmarkt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, die den bei uns gestellten Anforderungen genügen.

Was machen Sie, um junge Menschen für technische Berufe zu begeistern?

Wir präsentieren uns immer wieder an umliegenden Schulen, etwa an Tagen der Berufsorientierung. Allerdings ist das, was wir machen, also der Bereich Kraftwerkstechnik, für viele nicht so direkt greifbar. Wenn man von großen Pressen oder Produktionsstraßen spricht, weiß jeder sofort, was gemeint ist, bei uns ist das etwas anders gelagert. Unser Bereich bietet sehr anspruchsvolle und interessante Aufgaben, die anderen Maschinenbaubereichen in technologischer Hinsicht in nichts nachstehen. Richtig ist, dass wir da noch tiefer in das Bewusstsein der jungen Menschen eindringen müssen.

Ein Problem, dass Sie vor einigen Jahren noch nicht hatten?

Genau genommen haben wir das Problem auch heute noch nicht. Bisher haben wir immer gute Lehrlinge für die Metallberufe bekommen. Aber auch hier geht es mir um den Blick nach vorn.

Wird das Jahr 2012 ein gutes für das BABCOCK Fertigungszentrum?

Für eine konkrete Aussage ist es da noch viel zu früh. Aber wenn das Jahr so weiterläuft, wird es kein schlechtes Jahr!

Zur Person
Michael Bosse (51) ist seit 2009 Geschäftsführer der BABCOCK Fertigungszentrum GmbH.